Schamanismus

Der Begriff „Schamane“ stammt aus den Kulturen der Ethnien des sibirischen Raumes. Zu ihnen gehören die Jakuten, Altaier, Ewenken und Nenzen. Die Grenzen zu den benachbarten Regionen sind hier fließend. Es gibt schamanische Traditionen aus Sibirien, die wir z.B. auch bei den Samen im Norden Skandinaviens oder in der Mongolei wiederfinden.

Amanita Muscaria
Der Glückspilz – Wichtiger Spirit im sibirischen Schamanismus

Der Gebrauch der „Amanita Muscaria“ (Fliegenpilz) im rituellen Sinn ist ebenso ein Beleg für die weite Verbreitung und Übereinstimmung schamanischen Wissens. In unseren heutigen europäischen Kulturen gilt er immer noch als Glückspilz. (Siehe Glückwunschkarten, Weihnachtsbaumschmuck, ect.). In Indien wird er als Soma gepriesen.

Schamanismus selbst gab und gibt es weltweit. Er gehört, neben der Kräuterheilkunde, zu den ältesten Heilmethoden der Welt.

Ein Schamane ist ein Reisender zwischen den Welten, Verbinder der verschieden Realitäten und Ebenen. 

Schamanische Weltsicht – „Anderswelt“

Portal in die Anderswelt
Symbol für die Anderswelt

Zum Weltbild des Schamanismus gehört, dass es nicht nur die eine Realität gibt, die wir in unserem Wachbewusstsein erleben, sondern auch noch andere; die „Anderswelten“.

Dies klingt wie eine religiöse Annahme, über die der aufgeklärte Mensch im besten Fall schmunzelt, oder es gar verteufelt haben (Glaubenskongregation des Vatikan).

In der näheren Betrachtung der Annahme, es gäbe so etwas wie Anderswelten, entsteht schnell ein anderes Bild:

In welcher Welt sind wir denn wenn wir träumen? Das ist nicht real? Nun, wenn sie träumen, ist es für Sie absolut real, sie empfinden schließlich die Erfahrungen im Traum in Gefühlen, der Körper reagiert mit Bewegungen, Erregung, Schweissausbrüchen oder auch der Ausschüttung von Botenstoffen. Also: Der Körper liegt im Bett, aber wo bin ich, wenn ich träume?

Unzählige Menschen berichten ebenso von merkwürdigen Vorfällen mit Verstorben, die nach dem Tod die Trauernden besuchen, z.B. um sich zu verabschieden. Deren Anwesenheit wird bemerkt. Ein Bild fällt immer wieder um, die Uhr bleibt stehen, der Hund reagiert, usw. Dies ist kein Hirngespinnst esoterisch Verirrter, sondern wird und wurde auch von Wissenschaftlern, Politikern, Mathematikern, Polizisten (…) berichtet.

Reinkarnation
Symbol für die Wiedergeburt

Im schamanischen Sinne sind die Verstorbenen (bzw. deren Seelen) an einem Ort wie dem „Ahnenreich“. Ein Schamane kann hier Verbindung schaffen, um in Kontakt zu treten. Hokuspokus? Dann beobachten Sie mal Angehörige auf dem Friedhof, die an den Gräbern stehen und zu den Toten sprechen.

In der Ethnomedizin, dazu gehört auch der Schamanismus, wird in der Betrachtung des Lebens zwischen Tonal und Nagual unterschieden. Tonal ist das körperliche Leben, Nagual ist das nicht-körperliche Leben. (Auch wenn der Vergleich hinkt: Hardware und Software).

 

Sind Sie nun mehr Tonal oder Nagual?
Symbol für die seelischen Teile
Tonal und Nagual: Die seelischen Teile des Menschen

Die Antwort lautet: Sie sind mehr Nagual, viel mehr. Das mag manchen Menschen verblüffen, der/die sich für vernünftig und aufgeklärt hält. Aber auch hier ergibt sich bei näherer Betrachtung ein anderes Bild: Die menschlichen Naguale sind die Träume, Hoffnungen, Erinnerungen, Gedanken, Theorien, Ängste, Wut, Liebe, Lust, Vertrauen, Inspiration, Erfindungen, Glauben, die Seele…  All das lebt im Menschen und begleitet ihn im Leben. Die Naguale unterliegen Veränderungen, sie wachsen, machen Erfahrungen…wie der Körper auch. Ausserdem dienen sie unserem sozialen Leben in Freundschaft, Liebe und Kommunikation.

 

Tonal und Nagual verhalten sich zueinander wie diese Welt zur Anderswelt

Die Aufgaben des Schamanismus

Zu den schamanischen Aufgaben gehört es, diese Welten zu verbinden, und Kommunikation und Austausch zu ermöglichen.

In der alten Zeit war dies z.B. in der Vorbereitung eines Jagdrituals der Kontakt zu Tierseelen, um sie zu bitten sich zu opfern, damit der Stamm leben konnte. Die Erfahrungen lehrten, dass damit die Jagd wesentlich erfolgreicher war. Also entstand daraus eine Tradition. Diese wurde nach und nach kulturell durch Rituale (Lieder, Tänze) verstärkt.

Im modernen Schamanismus liegt der Schwerpunkt schamanischer Arbeit nicht mehr im Sinne des Wohlergehens des Stammes, sondern in der Arbeit für den einzelnen Menschen, Gruppen und Mutter Erde.

Auch hier wird der wesentlichste Aspekt des Schamanismus gelebt: Die Verbindung und der Austausch zwischen den Welten.

  • Dies ist in der Aufstellungsarbeit so, in der ermöglicht wird, dass sich der Klient mit seinen seelischen Potentialen (Naguale) befasst. Hier werden die Verbindungen zum Un- bzw. Unterbewussten hergestellt, z.B. auch zu den Selbstheilungskräften.
  • Dies ist in Ritualen so, in denen der Mensch in seinen tonalen und nagualen Teilen gesehen wird. Notleidende Partien werden beräuchert (Duft = Nagual) energetische Störungen gelöst.
  • Und es ist natürlich im klassischen Werkzeug des Schamanen so: Der schamanischen Reise
Schamane mit Trommel
Schamane mit Rahmentrommel am Meer

Hier versetzt sich der schamanisch tätige Mensch in eine Trance. Die monoton gespielte Trommel oder Rassel hilft, mit einem tagbewussten Teil diese tonale Realität zu verlassen, und in die naguale Welt einzutauchen. Hier werden Kontakte zu Verstorbenen hergestellt (z.B. für einen Abschied), verlorene Seelenanteile gefundenen und zurückgebracht. Flüche und Gelübde werden gelöst, Operationen begleitet.

  • Und natürlich gehört immer noch der Kontakt zu den nagualen Teilen einer Pflanze, eines Pilzes oder Baumes dazu. Dies findet u.a. Anwendung in der Heilmittelherstellung. Wie in der Homöopathie auch wird hier mit den Informationen gearbeitet, die (informare) den Körper wieder in eine stimmige Form bringen.

Die Arbeitsbereiche des Schamanismus umfassen Gebiete des Lebens, in welchen sich die Schulmedizin in ihrer Ausrichtung auf den Körper nicht auskennt. So ist diese Arbeit eine nötige Ergänzung und ein wichtiger Teil einer entstehenden, sich globalisierenden Weltmedizin.